Samstag, 16. Mai 2015

Filme selbst gemacht - ein kleiner Wegweiser


„Da müssten wir mal einen Film drüber machen.“ So oder so ähnlich fängt es meistens an. Und dabei bleibt es auch oft schon. Vielleicht hattest du aber auch schon die Kamera in der Hand und hast einfach mal drauf losgedreht. Aber spätestens dann, wenn es darum geht, das aufgenommene Material in Form zu bringen, sprich zu schneiden, hört es meistens auf. Plötzlich wird  Dir bewusst, dass Du etwas vergessen hast, oder Du hast keinen Plan mit was Du anfangen sollst, wie Du von A nach B kommst usw.
Dieses kleine 1x1 macht zwar noch keinen Spielberg aus Dir - aber damit stehen die Chancen für das Gelingen deines Filmprojekts wesentlich höher

1.       Konzept entwickeln - Ohne Idee kein Film

Deshalb: Erst das Konzept entwickeln - dann drehen. Entwickle für jeden Part des Films die entsprechende Szene. Folgende Fragestellungen sind dabei hilfreich:

  •  Was will ich zeigen
  • Wie will ich es zeigen - welche Einzelschritte müssen gedreht werden
  • Wen oder was benötige ich dafür
  • Wie lange soll die Szene dauern


Wichtig: Mach Dir ein kleines Drehbuch - häufig reicht eine Tabelle wie diese hier:

Szene Nr.
Bild
Text / Ton
Dauer
Anmerkungen
1
  • Szenenbeschreibung
  • Drehort
  • Musik
  • Atmo
  • Sprecher
5 Sek.
  • Darsteller
  • Requisite
2






2.       Drehplanung - Kein Plan = Chaos!

Dein Drehbuch ist fertig - jetzt aber nichts wie losgelegt. Du stehst an deiner ersten Location, alle Protagonisten sind da, auch die, die vielleicht erst in Szene 43 dran sind. Hat eigentlich jemand an die Requisiten gedacht und überhaupt:  wann gibt`s eigentlich was zu essen?
Ein Drehtag muss geplant werden. Entwickle für jede Szene einen Plan:

  •  Wer wird wann, wo benötigt
  • Welche Tages-/Uhrzeit ist für die geplante Szene ideal
  • Wer im Team ist für was zuständig (vom Fahrdienst bis zum Catering planen)
  •  Welche Requisite wird benötigt
  • Darf ich da überhaupt ohne Genehmigung filmen?
  • Pausen und Fahrstrecken einplanen
So könnte dein Drehplan aussehen:

Uhrzeit
Szene
Ort
Teilnehmer
Anmerkungen
09:00
1
  • Hafen
  • Kamerateam
  • Darsteller 1
  • Darsteller 2
  • Requisite
10:00
2
  • Büro
  • Kameratem
  • Darsteller 1
  • Requisite

3.       Dreharbeiten - Wie löse ich eine Szene auf

Endlich geht`s los. Die Darsteller wissen, was sie machen müssen. Du hast deine Kamera in Position gebracht - UND ACTION. Du bewegst dich mit deiner Kamera um die Darsteller herum, jetzt zoomst du auf das Gesicht, schwenkst nach 1 Sekunde nach unten auf die Hände und von dort auf das andere Gesicht. Blöd nur, dass  die eine Person im Gegenlicht steht und nur die Silhouette zu erkennen ist. Egal, das machen wir jetzt noch mal - im Film wird ja immer alles 1000x wiederholt bis es sitzt.

So könnte man das aber auch machen J:

  • Du suchst dir mit deiner Kamera eine feste Position (idealerweise hast du ein Stativ) und wählst zunächst eine Einstellung bei der die Gesamtsituation zu sehen ist.
    Wichtig: Diese Einstellung behältst du während der Aufnahme bei!
  • Dann wird die Szene wiederholt. Zuvor veränderst du deine Kameraposition und wählst eine Einstellung, bei der beispielsweise das Gesicht eines Darstellers nah zu sehen ist. Auch diese Einstellung behältst du bis zum Schluss bei. Bewegungen gleichst du durch sanftes Mitschwenken der Kamera aus.
  • In der dritten Wiederholung wählst du wieder eine neue Kameraposition und wählst eine neue Einstellungsgröße - vielleicht reichen sich die Personen im Film die Hände  -  dann wählst du diese Nahaufnahme als Einstellung.
    Meistens genügen 3-4 Einstellungen um die vollständige Szene abzubilden.

Auf die Weise arbeitest du das gesamte Drehbuch ab.

4.       Die Postproduktion - Schnitt für Schnitt zum fertigen Film

Es gibt eine Vielzahl von Schnittprogrammen - von billig bis schweineteuer, von übersichtlich bis zur eierlegenden Wollmilchsau.

Hier ein kleiner Überblick:

  • Windows Movie Maker - einfaches Schnittprogramm. Wird mit der jeweiligen Windows Software geliefert. Für den ganz kleinen Anfang nicht schlecht, kommt bei anspruchsvolleren Projekten aber schnell an seine Grenzen
  • ADOBE Premiere - gibt es als „Mietversion“ für 23,97 €. Das umfangreiche Programm richtet sich an professionelle Cutter. Damit sind auch aufwendige Produktionen gut zu bewältigen.
     
 Nachdem du dein Material in das Schnittprogramm geladen hast, kann`s auch schon losgehen:
  • Für die „normale“ Auflösung einer Szene beginnst du am besten mit der Totalen. Dadurch gibst du dem Zuschauer die Möglichkeit sich zu orientieren. Die Dauer der jeweiligen Schnitte kann variieren, ist aber selten länger als 5 Sekunden. 2 - 4 Sekunden genügen meistens.
  • Nach der Totalen wählst du eine Nahaufnahme die die vorherige Einstellung nahtlos fortsetzt. Viele Schnittprogramme verfügen über eine Trimfunktion. Damit kannst du in winzigen Schritten deine jeweiligen Schnitte an die Folgeschnitte anpassen.
  • Auch hier hat man meistens mit 3-4 Schnitten eine Szene aufgelöst.
  • Achte darauf, dass du nicht unbedingt zwei identische Einstellungsgrößen (z. B. zwei Totalen) hintereinander schneidest.
  • Beim Schnitt ist es sehr wichtig auszuprobieren. Betrachte deine Schnittfolgen immer wieder kritisch. „Fühlt“ sich das gut an oder stimmt da irgendetwas noch nicht? Mit der Zeit entwickelst du da ein gutes Gespür.
  • Lerne von den Profis. Egal ob Spielfilm oder ein Beitrag in der Tagesschau. Wenn du einmal nur auf die jeweiligen Schnittfolgen achtest, erkennst du dort bestimmte Schemata die durch alle Filmgenres hindurch verwendet werden.
 
5.       Fast fertig - jetzt fehlt „nur“ noch der gute Ton

  • Wenn du deinen Film bei YouTube, deiner Homepage oder einem anderen Portal veröffentlichen möchtest, achte auf jeden Fall darauf, dass du lizenzfreie Musik verwendest. Auf keinen Fall darfst du ungefragt Musik anderer Musiker oder Bands verwenden. Das kann richtig teuer werden!
  •  Es gibt online eine Vielzahl von Anbietern sogenannter gemafreier Musik. Auch bei Ebay werden CDs mit lizenzfreier Musik für wenig Geld verkauft.

Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem kleinen Leitfaden Lust auf dein neues Filmprojekt machen. Bei Fragen, Anregungen oder Wünschen kannst du dich gerne melden (th.bitzer-prill@dig-it-media.de)