Samstag, 29. November 2014

Erste Videoschulung für Menschen mit Behinderung - ein Erfahrungsbericht


Mit gemischten Gefühlen sind wir letzte Woche nach Sindelfingen in die Gemeinnützige Werkstätten und Wohnstätten gefahren. Zwei Tage lang sollten wir dort Menschen mit Behinderung und deren Betreuerinnen und Betreuern den Umgang mit Videokamera und Schnittplatz beibringen.

Meine pädagogischen Berufserfahrungen als Heilerziehungspfleger in der Diakonie Stetten lagen nun doch schon mehr als 15 Jahre zurück....

Montagmorgen - Mein Kollege Steffen und ich stehen vor 14 erwartungsvollen und hochmotivierten Teilnehmern. Jedem Menschen mit Behinderung stand eine Betreuerin bzw. Betreuer zur Seite um gegebenenfalls Hilfestellung zu geben.

Unser Konzept sah vor,die Lerninhalt  mit möglichst viel Interaktion und Übungen zu vermitteln. Als erste Übungseinheit sollten die Teilnehmer lernen wie man das gesamte Equipment "drehfertig" vorbereitet. Karte einsetzen, Akku, Ton, Kopfhörer anschließen und Stativ aufstellen.

Im nächsten Schritt demonstrierten wir, wie eine Szene durch verschiedene Kameraeinstellungen aufgelöst wird. Im Anschluss wurde auch dies von allen Teilnehmern eingeübt.

Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir überrascht vom Interesse und Lernwillen der Beteiligten. Rasch haben wir es verstanden uns dem "Lerntempo" anzupassen.

Nachmittags entwickelten wir eine gemeinsame Idee für einen kleinen Anleitungsfilm. Darin sollte gezeigt werden, wie das Kamera-Equipment vorbereitet wird.

Nachdem wir gemeinsam ein Drehbuch für den Film entwickelt hatten, teilten wir uns in zwei Gruppen auf. Aufgaben für Kamera, Ton, Moderation und Sprache wurden verteilt. Für die Dreharbeiten benötigten wir den restlichen Nachmittag und den Vormittag des Folgetags.

Nachmittags haben wir eine Einführung in ein einfaches Schnittprogramm gegeben. Die Teilnehmer lernten den Datenimport, erste Schnitte und die Trimfunktion des Programms kennen.

Leider reichte die Zeit nicht aus, um den gedrehten Film komplett fertig zu schneiden, aber alle Teilnehmer waren sich einig, dass es eine Fortsetzung der Videoschulung geben muss...


Freitag, 17. Oktober 2014

Livestream in Metzingen

Am Samstag den 11. Oktober war`s wieder soweit. In Metzingen wurde zum zweiten Mal das Martial Arts Event "SHOOTO KINGS" veranstaltet. Stars aus der ganzen Welt gaben sich ein Stelldichein und lieferten knapp 4 Stunden lang ein großes Spektakel.

Und mitten drin - die wackeren "Kämpfer" von dig it! media. Die Live-Übertragung ins Netz fand wieder mittels Satellitenschüssel statt. Das Signal war absolut stabil und bot eine konstante Uploadgeschwindigkeit von 6 Mbit/Sekunde an.

Als Streamingplattform diente uns Dacast. Die Einrichtung einer Pay-per-View-Veranstaltung ist dort möglich und lässt sich problemlos einrichten. 9,90 € kostete die virtuelle Eintrittskarte bei den SHOOTO KINGS.

Wir übertrugen mit insgesamt drei Kameras, wovon zwei als Supertotale bzw. Totale fest installiert wurden. Lediglich die Kamera am Ring wurde von Kameramann Steffen Braun bedient.

Das Signal blieb über den gesamten Übertragungszeitraum absolut stabil - wir übertrugen mit drei unterschiedlichen Bitraten und zeichneten gleichzeitig ein HD-Signal auf.

Am Tagt nach der Veranstaltung wurde die Aufzeichnung in eine internetfreundliche mp4-Datei umgewandelt und auf die Plattform von Dacast hochgeladen.

Seitdem wurde der Film auf der Homepage von SHOOTO KINGS mehr als 1000 mal abgerufen.

Hier geht`s zur Aufzeichnung:

www.shootokings.com

Freitag, 22. August 2014

ACCEVOLUTION - Transition Designer - das neue Premiere-Plug-in im Test

Als alter AVID-Cutter bin ich bei der Erstellung von Effekten immer auf gesonderte Programme wie beispielsweise After Effects angewiesen. Mehr oder weniger umständlich muss ich Teile einer Sequenz zuerst exportieren, dann in After Effects importieren, bearbeiten und anschließend rendern, bevor ich die Datei wieder in meinem Schnittprogramm weiterverarbeiten kann. Darin unterscheidet sich AVID aber nicht zu anderen Programmen wie beispielsweise Premiere. 

Anstrengend, ja geradezu nervig wird es, wenn man viele identische Effekte auf unterschiedliche Teile der Sequenz anwenden will. Soll beispielsweise eine besondere Überblendung erstellt werden, ist der Aufwand immens, vor allem dann wenn  mehrere Effekte miteinander kombiniert werden sollen (z.B. Richtungsunschärfe in Kombination mit einer Kreuzblende).

Deshalb war ich sehr gespannt auf den neuen Transition Designer von ACCEVOLUTION. Leider nur für Premiere ab der CC-Version erhältlich, soll das Plug-In die Erstellung von Blenden aller Art zum Kinderspiel machen. Die Installation der Testversion hat problemlos funktioniert. Nach dem Start von Premiere findet sich das Plug-In in der Transitions-Abteilung der Video-Effekte. Per drag and drop wird der Effekt auf die zu überblendenden Schnitte gelegt - und dann fängt der Spaß an.

Die Bedienoberfläche ist überschaubar und sehr intuitiv. Ein Wipe-Effekt von links nach rechts ist zunächst nicht sonderlich spektakulär. Packt man aber noch "feathering" mit rein, entsteht eine wunderbare weiche Blende. Sowohl die Positionierung des "Blendenstarts" als auch verschiedene Optionen "wie helle oder dunkle Bildbereich zuerst", rund oder eckig, schnell oder langsam lassen sich mühelos mit wenigen Mausklicks einstellen. Außerdem kann man z.B. den Wipe-Effekt noch mit einem Blur- und einem Glow-Effekt kombinieren. Vor allem der Glow-Effekt bietet auch gleich noch unzählige Einstell- und Optimierungsmöglichkeiten, wie z.B. unterschiedliche Glow-Verfärbungen für helle und dunkle Bildbereiche, Radius, Intensität, und, und , und... Selbstverständlich können sämtliche Einstellungen als Preset gespeichert werden.

Jeder Cutter, der bisher davon überzeugt war, dass er nur einen harten Schnitt und eine weiche Blende für seine Filme braucht sollte sich mal das Demo-Video unter www.accevolution.de ansehen und sich vom Gegenteil überzeugen lassen.

Ein besonderes Schmankerl soll die Erstellung von Überblendeffekten sein, bei denen man die Blende an sich gar nicht wahrnimmt. Fährt beispielsweise ein Bus formatfüllend durch das Bild,erscheint hinter dem Bus eine völlig neue Szene. Man kennt das z.B. aus der TV-Serie "Sherlock", wo recht exzessiv mit "unsichtbaren" Blenden gearbeitet wird. Möchte man einen solchen Effekt in After Effects erzeugen, muss der Bus zunächst ausgeschnitten  und die Maske anschließend Frame für Frame angeglichen werden. Der Transition Designer soll einen Großteil dieser Aufgaben automatisiert übernehmen. Ich persönlich habe dieses Feature noch nicht getestet, beim Betrachten des Videotutorials scheint  mir das Ganze allerdings trotzdem noch mit einigem Aufwand verbunden zu sein. Nichtsdestotrotz: der Transition Designer von ACCEVOLUTION ist ein hervorragendes Werkzeug zur Erstellung individueller Blenden.

Für 139,00 € bekommt man zusätzlich mehrere hundert freigestellte Handbewegungen für Erklärvideos. Und wenn man bedenkt, wie viel Zeit man dank Transition Designer einpart, geht der Preis vollkommen in Ordnung.

Natürlich werde ich als AVID-Cutter nicht das Schnittsystem wechseln, aber für aufwändige Effekte werde ich künftig wohl zusätzlich zu After Effects auch Premiere mit dem Transition Designer einsetzen.



Freitag, 8. August 2014

Livestreaming - zuerst war da nur eine Idee

Wir hatten Ende des vergangenen Jahres eine 6-stündige Schulung mit 3 Kameras aufgezeichnet. Jetzt musste das Ganze in der Postproduktion noch zu einem Film zusammen geschnitten werden. 3 Videospuren mussten synchronisiert, der Ton angepasst werden. Und dann "shuttelt" man sich halt vom Anfang zum Ende, schneidet mal hier einen Schnipsel von der Totalen rein, dann kommt nach einer Weile eine Nahaufnahme des Referenten und zwischendurch packt man immer mal wieder das interessierte Publikum rein. Kreativität sieht anders aus...

Wie schön wäre da doch die Möglichkeit eine Veranstaltung direkt vor Ort aufzeichnen und dem Kunden bereits einen Tag später den fertigen Film überreichen zu können. Eine Recherche nach geeigneter Hardware zeigte recht schnell, dass sämtliche Angebote unsere finanziellen Mittel bei weitem übersteigen würden. Vor allem wenn man auch noch in HD aufzeichnen will.

Was lag also näher als sich selbst ein System zusammen zu bauen. Nach langwierigen Recherchen haben wir eine amerikanische Firma gefunden, die eine Software entwickelt hat, mit der man mit bis zu 5 Kameras gleichzeitig aufzeichnen, übertragen und live ins Internet streamen kann. Und das für knapp 600 Dollar. Zum besonderen Service gehörte eine Bauanleitung für den entsprechenden Computer. Knapp einen Monat stand das fertige Teil bei uns im Studio. Hinzu kamen ca. 500 Meter HD-SDI-Kabel, Signalwandler und Tonkabel.

Es folgten intensive Tests mit unterschiedlichen Settings und Kameras. So einfach war`s dann halt doch nicht. Bis das Ganze wirklich stabil funktionierte, hatten wir unzählige Bluescreens und Neuinstallationen hinter uns. Ein Systemabsturz hatte es sogar geschafft, den Software-Dongle zu zerstören (der hervorragende amerikanische Support schickte uns umgehend einen neuen Dongle zu).

Es dauerte nicht lange bis wir eine erste Anfrage bekamen. Im Kurhaus in Baden-Baden sollte ein Jazz-Konzert von Marc Marshall aufgezeichnet werden. Das System hat die Feuerprobe hervorragend bestanden.

Unser nächster Auftrag stellte uns vor eine weitere Herausforderung. Eine Boxveranstaltung sollte sowohl aufgezeichnet als auch live ins Internet gestreamt werden. Die Sporthalle hatte allerdings keinen eigenen Internetzugang. Wir probierten eine satellitengestützte Lösung aus und waren sofort von der Stabilität das Signals und der Übertragungsgeschwindigkeit überzeugt. Drei Sunden lang streamten wir wie die Weltmeister - ohne einen einzigen Aussetzer.